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Aktuelles aus den Centren

08.10.2009

Strategien und Ziele des "Charité Comprehensive Cancer Center", Berlin

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P. M. Schlag, R. Schäfer, U. Keilholz

In Berlin und Umgebung erkranken jährlich mehr als 25.000 Menschen an Krebs.

Das "Charité Comprehensive Cancer Center" (CCCC) stellt sich der Aufgabe, einen Beitrag zur weiteren regionalen Verbesserung der medizinischen und psychosozialen Versorgung von Tumorpatienten sowie der Prävention und Früherkennung von Krebs zu leisten. Im Mittelpunkt stehen neue Strategien zur Intensivierung multiprofessioneller Zusammenarbeit, welche onkologisch tätige Ärzte im stationären und ambulanten Bereich, die onkologische Krankenpflege, medizinisches Assistenzpersonal, Psychoonkologen, Sozialarbeiter sowie Wissenschaftler von Beginn an integrieren und den Patienten, seine Angehörigen und die Krebsselbsthilfe partnerschaftlich mit einbinden. Wir erwarten, mit unserem Konzept paradigmatisch nationale und internationale Ausstrahlung zu erzielen.

Das CCCC hat satzungsgemäß die zentrale Aufgabe, alle Aktivitäten der klinischen und akademischen Onkologie in der Charité zu koordinieren. Hierdurch wird für die gesamte Onkologie u. a. die Aufgabensetzung an allen vier Charité-Standorten (Campus Benjamin Franklin/CBF, Campus Charité Mitte/CCM, Campus Virchow-Klinikum/CVK und Campus Buch) unter dem Dach des CCCC abgestimmt und strategisch weiterentwickelt. Damit werden aber auch alle fachlichen und apparativen Ressourcen gebündelt. Die von Beginn an interdisziplinär geplanten und vereinheitlichten diagnostischen und therapeutischen Ablauf-prozesse werden einer kontinuierlichen Qualitätssicherung unterzogen. Darauf basierend wurde das CCCC im September 2008 von der Deutschen Krebsgesellschaft als erstes Onkologisches Zentrum in Deutschland zertifiziert. Seit April 2009 wird als Ergebnis einer internationalen Begutachtung das CCCC als Onkologisches Spitzenzentrum durch die Deutsche Krebshilfe gefördert.


1. Organisation

Die wesentlichen Strukturelemente zur Realisierung der skizzierten Aufgaben sind:

- Zentrale Tumorambulanzen (Portalambulanzen) an allen drei klinischen Standorten der Charité (CBF, CCM, CVK). Diese Ambulanzen sind prinzipiell interdisziplinär besetzt (medizinische Onkologie, Radioonkologie, operatives Fachgebiet, onkologische Subspezialisierung, wie z.B. gastroenterologische oder pulmonologische Onkologie). Den Portalambulanzen assoziiert ist jeweils eine interdisziplinäre medikamentöse Tumortherapieeinheit (IMT).

- Interdisziplinäre Tumorboards, welche über ein spezielles Video-Telekonferenzsystem standortübergreifend und nach extern vernetzt sind. Hierdurch wird die interne, standortübergreifende Zusammenarbeit optimiert und der Zugang für externe Kooperationspartner erleichtert.

- Interdisziplinäre Tumororgangruppen bzw. Organtumorzentren, welche die leitliniengemäßen Behandlungspfade als Arbeitsgrundlage definieren und deren praktische Umsetzung bedarfsgerecht adaptieren und weiter begleiten.

- Register aller in den Organgruppen abgestimmten, aktiven klinischen Studien und translationalen Forschungsprojekte.

- Ein nach GTDS-Standard konzipiertes klinisches Krebsregister als Grundlage einer ergebnisorientierten Qualitätssicherung und Bindeglied zur epidemiologischen Krebsregistrierung.

- Tumorbiobanken als Grundlage translationaler Forschungsprojekte und Ressource für eine individualisierte Tumor therapie.


Koordiniert und zentral zusammengefasst werden die Organisationsstrukturen durch 10 Stabsstellen der CCCC-Zentrale.

Geleitet wird das Zentrum durch einen hauptamtlichen Direktor und seine beiden Stellvertreter für klinische und translationale Forschung. Der Zentrumsdirektor ist dem Charité-Vorstand direkt unterstellt. Die CCCC-Direktoren bilden zusammen mit einer Kaufmännischen Leiterin den Geschäftsführenden Vorstand, der durch einen Lenkungsausschuss kontinuierlich beraten und ein internationales Advisory Board supervidiert wird.
 

2. Interdisziplinäre Tumorambulanz (Portalambulanz)

Die jeweils zentral am CBF, CCM und CVK eingerichteten interdisziplinären Tumorambulanzen sind als zentrale Anlaufstelle für onkologische Patienten des CCCC konzipiert. In diesen Ambulanzen wird interdisziplinär der für jeden Patienten individuell bestmögliche Diagnose- und Behandlungspfad antizipiert. Hierdurch soll unter Vermeidung von Redundanzen eine unter allen Aspekten abgestimmte Diagnose und Behandlungsplanung erarbeitet und begleitet werden. Aus diesem Grund halten die Portalambulanzen folgende Angebote obligatorisch vor:

- Zentrales Patientenmanagement

- Interdisziplinärer Arztkontakt

- Interdisziplinäre Tumorboards

- Interdisziplinäre medikamentöse Tumortherapieeinheit

- Beratungs- und Betreuungsangebote (u. a. psychoonkologische Beratung, sozialrechtliche Beratung, Beratung durch Krebsselbsthilfegruppen)

 
Durch das Zusammenspiel dieser Angebote wird das Lotsenprinzip des CCCC umgesetzt. Das zentrale Patientenmanagement in der Portalambulanz offeriert dem Patienten einen (ärztlichen) Lotsen, der alle weiteren notwendigen Schritte koordiniert, kontinuierlich weiterverfolgt und für Rücksprachen persönlich zur Verfügung steht. Der Patient soll damit situationsadaptiert zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche diagnostische und therapeutische Betreuung in einem multiprofessionalen Team unterschiedlich spezialisierter interner und externer Kooperationspartner (Ärzte, Pflege, medizinische Assistenzberufe, psychosoziale Onkologie, Selbsthilfegruppen, Wissenschaftler) erhalten.


3. Translationale Forschung

Die Bedeutung der translationalen Forschung für die zukünftige Versorgung der Krebskranken kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In der vielfältigen Berliner Forschungslandschaft mit ihren universitären und außeruniversitären Instituten werden hervorragende und innovative Ergebnisse aus der Grundlagenforschung erzielt. Diese Ergebnisse hinsichtlich ihrer Anwendung in der klinischen Diagnostik und Therapie auszuschöpfen, stellt auch in der internationalen Bewertung ein ungelöstes Problem dar. Neben den finanziellen Mitteln und der erforderlichen Infrastruktur – wie Gewebebanken, technische Plattformen und klinische Register – ist das spezifische Engagement von Ärzten und Wissenschaftlern unerlässlich. Somit resultiert die besondere Stärke des CCCC aus einer harmonisierten und arbeitsteiligen Zusammenarbeit aller drei klinischen Charité-Standorte sowie dem Forschungscampus Berlin-Buch, mit einem gemeinschaftlich von Charité und MDC getragenen Translationszentrum (ECRC), weiteren Kooperationspartnern im Berliner Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und der Physikalisch Technischen Bundesanstalt sowie zahlreichen internen und externen Partnern in der gesamten Versorgungskette.

 
4. Psychoonkologie/Krebsselbsthilfe

Struktur und Konzept der psychoonkologischen Betreuung im CCCC werden zentral unterstützt und wissenschaftlich mit betreut. Vorrangiges Ziel ist ein Screening aller Tumorpatienten, um die psychosoziale individuelle Belastung rechtzeitig zu erfassen und notwendige psychoonkologische oder sozialrechtliche Unterstützungsangebote zielgerichtet anzubieten bzw. einzusetzen. Hierbei soll bereits sehr frühzeitig der Zugang zu Selbsthilfegruppen mit einer qualitätsgesicherten Arbeitsweise erörtert werden, um hierdurch das multiprofessionelle Beratungs- und Versorgungsangebot zu erweitern und ein "Shared-Decision Making" am Zentrum zu ermöglichen. Über das Angebot individueller Beratung hinaus werden in regelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen zu medizinisch-onkologischen, psychosozialen und psychoonkologischen Themen sowie Seminarreihen für gesundheitsfördernde oder stabilisierende Möglichkeiten angeboten.


5. Studienregister

Zur Verbesserung der Transparenz der im CCCC aktivierten onkologischen Studien ist ein Studienregister etabliert. Über das Internetportal des CCCC können sowohl Patienten als auch niedergelassene Ärzte Anfragen bzgl. der verschiedenen Studien stellen. Die CCCC-Zentrale vermittelt dann den Kontakt zum Studienleiter der infrage kommenden Untersuchung.

Weiterhin dient das Studienregister zur Erleichterung von Therapieentschei-dungen im Rahmen der (Televideo-)Tumorboards. Über eine Datenbank können alle Studien mit den wesentlichen Einund Ausschlusskritierien während der interdisziplinären Tumorkonferenzen eingesehen werden, so dass bereits dort unmittelbar im Konsens eine Studienteilnahme für einen Patienten empfohlen werden kann. Parallel hierzu ist eine Liste der aktuellen translationalen Forschungsprojekte hinterlegt, so dass auch hierdurch eine gezielte und frühzeitige Vernetzung zwischen klinischer Krankenversorgung und translationaler Forschung ermöglicht wird.


6. Qualitätsmanagement/Qualitätssicherung

Zur Umsetzung des Qualitätsmanagements am CCCC werden verschiedene Qualitätssicherungsverfahren (BQS, Benchmarks der Struktur- und Ergebnisqualität, Beschwerdemanagement u. a.) eingesetzt. Alle Arbeitsbereiche werden durch "Standard Operating Procedures" (SOPs) nach DIN ISO geregelt und im Intranet der Charité veröffentlicht und sind damit allen Mitarbeitern zugänglich. Die erreichten Ergebnisse werden regelmäßig offengelegt, analysiert und Strategien zur Verbesserung bzw. Weiterentwicklung vereinbart. Damit soll nicht nur eine relevante und nachhaltige Verbesserung der Heilungsraten, sondern auch eine höhere Zufriedenheit und Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen erreicht werden.
 

Fazit

Die Gründung des CCCC hat an der Charité bereits jetzt äußerst positive Auswirkungen auf die interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit mit dem Ziel der optimalen Patientenbetreuung mit häufigen und auch seltenen Tumorarten. Durch den konsequenten Ausbau erwarten wir eine weitere wesentliche Stärkung der strukturierten Betreuung von Patienten mit allen Tumorentitäten an allen Standorten der Charité. Die skizzierte neu entwickelte und ambitiöse Struktur mit ihren zahlreichen internen und externen Partnern in der gesamten onkologischen Versorgungskette hat zusammen mit dem Patienten ein Ziel:

"Gemeinsam Krebs überwinden" – die zentrale Mission des CCCC.

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Quelle: Forum 2009; 5(24): 14 - 17

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Kontakt

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Dr. h.c. P. M. Schlag

Direktor des

Charité Comprehensive Cancer Center

Invalidenstr. 80, 10115 Berlin

Tel.: +49(0)30 450 56 46 22

Fax: +49(0)30 450 56 49 60

E-Mail: pmschlag(at)charite.de



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